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Die wunderbaren Stacheln der Rose

Weihnachtsrose2011 (1)

Ein Wunder: Die Weihnachtsrose auf unserem Balkon

Mal ganz ehrlich: Ich pfeife auf weiße Weihnacht. Voriges Jahr war’s toll: ein Geschenk des Himmels, Schnee nach Herzens Lust – und ein satanisches Geheul wegen von Autos unbefahrbarer Straßen. Weg mit dem Winter!

Und – ach! Klimawandel soll doch auch nicht sein! Weg mit Kohlendioxid also! Weg aber auch mit kohlendioxidfreien Atomkraftwerken – weil die ja irgendwie riskant sind. Dass der ganze Industrialismus, dass die Verpflichtung von Menschen auf Konzerninteressen viel riskanter sind, wird nach bewährtem (Stalingrad-)Muster ausgeblendet. Wir wollen ein Klima, das den Wünschen der Mitläufer entspricht.

Genau das versprechen diejenigen, denen die Weihnachtsbotschaft „Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“ egal ist: sie wollen sich um jeden Preis durchsetzen – mit ihrem Glauben an „Saubere Energie“, an irgendeine Technik, die ihnen die Verantwortung abnimmt für den Schnee und den Müll vor der eigenen Tür.

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Die Lust am Quälen und die Widerstandskraft der Banane gegen die Frage “Warum?”

Dies ist eine Leseprobe zur Neufassung von „Der menschliche Kosmos“ – Kapitel 1. Das Vorwort ist bereits online

Beginnen wir die Entdeckungsreise in Nachbars Garten an der „Köttelbecke„, also einem der offenen Abwasserkanäle des Emschersystems im Ruhrgebiet. Die kleinen Gärten hinterm Reihenhaus sind in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts so typisch wie die im Sommer oft übel riechenden Betonrinnen für Abwässer quer durch die Siedlung; sie können wegen der vom Bergbau verursachten Erdbewegungen nicht unterirdisch verlegt werden. Unsere Nachbarn, ein Ehepaar von etwa sechzig Jahren, sind trotzdem fast immer in ihrem Gärtchen. Sie haben sich sogar einen kleinen runden Pavillon mit grünen Fensterscheiben gebaut, obwohl es vom Liegestuhl nur ein paar Schritte ins Haus sind. Wir wunderten uns anfangs, wieso jemand sich in einem Gartenhaus grüne Gardinen vor die Fenster hängt, bis wir bemerkten, dass es weiße Stores hinter grünen Scheiben waren, die uns befremdeten. Ebenso befremdlich erschien uns, dass im Pavillon, den aufzubauen einiges Geld und gute zwei Wochenenden handwerklicher Arbeit gekostet hatte, offensichtlich nur Gartenmöbel untergestellt wurden. Auch dieses Rätsel löste sich: der Pavillon beherbergt etwas viel Kostbareres. Dort steht – in Reichweite, nicht etwa in der einige Gehminuten entfernten Küche – der Kühlschrank, und im Kühlschrank ist das Bier.

Es ist für unsere Nachbarn so wichtig, das Bier in der Nähe zu haben, weil sie sich fast immer streiten. Sie reden ausdauernd aufeinander ein und die wellenförmig aufbrandenden Gespräche gipfeln in beleidigenden Worten. Ein solcher Zyklus der Aufregung läuft aber nicht synchron mit dem Leeren einer Bierflasche ab. Wir haben noch nicht herausgefunden, wer von beiden mehr und schneller trinkt, aber einerlei: es käme anscheinend einem Koitus Interruptus gleich, wenn eine besonders heftige Attacke wegen einer leeren Flasche, eines dann also erforderlichen Ganges in die Küche unterbrochen werden müsste. Tatsächlich ist der Kühlschrank im Pavillon mit den grünen Fensterscheiben Teil eines ebenso detailliert wie unbewusst inszenierten und mit nicht nachlassender Energie aufgeführten Dramas.

Die beiden quälen einander mit Hingabe, sie genießen Bier und Beschimpfungen gleichermaßen (die Texte variieren nur wenig), sie haben an Schwung und Emotionalität nie eingebüßt. Es ist sinnlos, Gründe für das Gezänk finden zu wollen. Nicht einmal Anlässe lassen sich erkennen – außer dass die Sonne scheint und Bier im Kühlschrank ist.

Wenn wir den zu uns über den Zaun herüber wehenden Sprachfetzen vertrauen können, währt ihre Beziehung trotz dauernder Konflikte an der Grenze zur Gewalttätigkeit schon 40 Jahre. Wir beginnen zu verstehen, dass Mann und Frau nicht um Gründe von Ärgernissen streiten, die auszuräumen wären. Sie streiten schon gar nicht um Veränderungen ihrer Umgangsformen miteinander. Bei all der wiederkehrenden Aufregung, all dem Reden und Gestikulieren, während sie sich gegenseitig aufreizen und ankeifen, geht es im Gegenteil darum, dass sich NICHTS verändern soll, sondern dass jeder immer wieder aufs Neue seine Rolle, seine Wahrnehmung von sich selbst gegen den anderen verteidigt. Es handelt sich um eine Dynamik, deren Ziel das Gleichgewicht ist. Und genau deshalb, wegen dieser zum Ritual gewordenen Dynamik, unterscheiden sich die Konflikte unserer Nachbarn nicht von den Konflikten zwischen Parteien, Völkerstämmen, Nationen, religiösen Gemeinschaften. Dort allerdings kann ein Gewaltausbruch Schlimmeres bewirken als ein blaues Auge und ein paar zerschlagene Bierflaschen.

Vorwort zu “Der menschliche Kosmos” (6)

(zurück zu Abschnitt 5)

“Aufarbeitung” ist ein ebenso häufig wie fahrlässig gebrauchtes, bis zum Überdruss verschlissenes Wort. Sie folgt Katastrophen so sicher wie das Amen in der Kirche: sie ist auch meist nichts als Ritual. Jeder, der seine Haltung, Ziele, Handlungsmotive vorteilhaft darstellen will, distanziert sich rituell von den an Katastrophen “Schuldigen”. Die Deutungshoheit über die Frage “Warum” wird zur Monstranz, wird unangreifbar, die eigene Position geheiligt. So geschah es mit der “antifaschistischen Aufarbeitung” des Nationalsozialismus durch marxistisch-leninistische Staatsideologie.

Tatsächlich verirrt sich die Frage nach dem „Warum“ zwischen Ratlosigkeit, unbrauchbaren Spekulationen, Schuldzuweisungen im Nebel der Unverantwortlichkeit, wenn es um Gewaltherrschaft zum Beispiel von Nationalsozialisten oder Kommunisten, um Amokläufe in Schulen oder Familien, um Terrorakte und katastrophale Schlampereien in Kernkraftwerken oder Chemiefabriken geht. Das ist kein Zufall. „Ursachen“ sind Konstrukte menschlicher Denk- und Kommunikationsprozesse. Die Frage nach den Zielen derjenigen, die da “aufarbeiten”, muss vorab gestellt werden, die nach den Zielen der “in der Vergangenheit” Handelnden, die nach ihrer auf diese Ziele gerichteten Wahrnehmung führt zu Einsichten bezüglich einer Dynamik, die sich wiederholen kann. Wer rechtzeitig und vorbehaltlos nach den eigenen, dann nach den Zielen anderer fragt und beides in ein Verhältnis bringt, wer fragt, solange  Schlamperei, Feindseligkeit, Gewalt noch „latent“ sind, kann Konfliktverläufe beeinflussen, sogar manche Katastrophe abwenden. Auf andere wird er sich einrichten müssen. Konflikte sind letztlich so wenig vorhersehbar wie Menschen einheitlichen Handlungsmustern folgen, sich “Tugenden” und “Laster” säuberlich scheiden lassen. 

Die Ketten der Kausalität, des Denkens in Abfolgen von Ursachen und Wirkungen, müssen gesprengt werden, wenn wir die Konflikte des Individuums und der Metasysteme von Familien, Nationen, Völkern und ihren Kulturen besser verstehen wollen. Quantenphysik, Relativitätstheorie und Informatik haben die Brüchigkeit dieser Ketten längst offenbart. Alle Strategien, die an diesen Ketten hängen, können die Krisen und Katastrophen der sich global organisierenden Menschheit nicht abwenden. “Wer die Ursachen beherrscht, gebietet über die Folgen” – auf dieser Einstellung fußen Strategien der mechanischen Dominanz. Wir erleben am Beispiel des weltweiten Terrorismus gerade, das auch das gewaltigste Übergewicht mechanischer Instrumentarien systemische Prozesse nicht nachhaltig steuern kann.

Der Perspektivwechsel wird sich durchsetzen, weil er keiner ideologischen Rechtfertigung bedarf. Das Zeitalter universeller Gesellschaftsentwürfe ist allerdings genau deshalb vorbei. Sie waren immer die gedanklichen Rechtfertigungen für mechanische Dominanz, ihr systematischer Fehler ist, dass sie eine „Objektivität“ von Modellvorstellungen von „Vergangenheit“ und „Gegenwart“ erforderten, mit der „Zukunft“ zu prognostizieren ist – bis hin zur sogenannten „Weltformel“. Aber eine solche Formel kann und wird es niemals geben. Die Revolution unserer Zeit ist der revolutionierte Zeitbegriff: der Mensch erschafft Raum und Zeit unseres Universums mit, während er denkt, Denken ist schon Handeln, und die Dynamik dieser unauflösbaren Wechselwirkung kann nicht formelhaft „fixiert“ werden, weil eine Fixierung das Ende der Dynamik selbst bedeuten würde. Die neue Perspektive widerlegt indessen keineswegs den Sinn der Forschung, sie zeigt nur deutlicher die eigenen Grenzen; mechanische Vorstellungen versagen darin.

Davon handelt dieses Buch. Es will keine neuen Weisheiten verkünden, sondern ein Training anbieten: Leser können versuchen, öfter statt nach dem „Warum“ nach Zielen und Strategien zu fragen, sie können versuchen, ihren eigenen Alltag anders zu erleben und zu gestalten – egal ob sie es in der internationalen Politik, im Management oder in den eigenen vier Wänden tun. In diesem Sinne ist es das unvollkommenste Buch aller Zeiten, weil es ganz darauf vertraut, dass es nur Anregungen für alle diejenigen gibt, die mit neuer Sicht auf die Welt und sich selbst handelnd Erfahrungen machen und neue, wichtigere Kapitel schreiben werden. Es lebt von der Subjektivität der Wahrnehmung, und gibt die Subjektivität des Autors immer wieder preis. Es soll Lust darauf machen, einige der vielen alltäglichen „Algorithmen“, Rituale und Strategien kennenzulernen, mit denen unser Gehirn, unser Körper und die umgebende Welt – der „menschliche Kosmos“ – aufeinander wirken. Das wenigste davon ist uns bewusst, eben weil unser Bewusstsein um Größenordnungen von der Dimension des Kosmos entfernt ist. Aber Entdeckungsreisen sind möglich. Im Himmel und auf Erden.

In Kürze folgt die überarbeitete Fassung von Kapitel 1. Der 2006 im Salier Verlag Leipzig veröffentlichten Originaltext ist im Handel, beim Verlag oder direkt beim Autor zu bestellen. Große Teile sind bei der google Buchsuche verfügbar.

Geld integriert, Geld spaltet

Integration ist ein Dauerthema deutscher Medien. Da Baden-Baden etwas Besonderes ist – ein Fokus deutscher Bindungen an die Welt gewissermaßen -, da hier schon seit dem 19. Jahrhundert die Mächtigen promenieren, bekommt Integration hier auch eine besondere Bedeutung. In Baden-Baden leben außerdem die – auf die Bevölkerungszahl bezogen – meisten von staatlicher Fürsorge Abhängigen des Bundeslandes. Teil 3 der Romantrilogie „Wolkenzüge“, einer deutschen Familiengeschichte zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert dokumentiert, wie sich die Nation vernünftigerweise auflöst, da sich niemand „abschaffen“ will.

Candides Kosequenz

Wichtig? Nur der eigene Garten!


Gustav ist zurückgekehrt ins gesegnete Baden-Baden, einen der schönsten Orte der Welt, wo sich Geldwäsche wirklich lohnt. Die Stadt ist dankbar, wenn zerfallende Gründerzeit- und Jugendstilvillen von reichen Russen, Arabern, Kapitalgesellschaften jedweder Herkunft gekauft und saniert werden. Deutsche Privatvermögen gesunden bei solchen Verkäufen, in deren Folge Mauern und Sicherheitskameras schmiedeeiserne Einzäunungen in Toplagen ersetzen. Einzelhändler, historische Bäder, Kliniken, Arztpraxen, Autowerkstätten, selbst die Stadtverwaltung stellen russischsprachige Mitarbeiter ein, der Markt erzwingt Integration in ganz anderer als von Sozialromantikern erwünschter Richtung: die Deutschen müssen sich globalen Trends assimilieren. Nur das Fernsehen bleibt sich treu: die bügelnde deutsche Hausfrau über 60 ohne Fremdsprachenkenntnis ist Zielgruppe.
Am Augustaplatz leisten wenige Aufrechte Widerstand gegen die neoliberale Marktwirtschaft. Mit gezückter Bierflasche, solidarisch im Kreis entflammten Fluppen lassen sie die soziale Gerechtigkeit hochleben, würden niemals zu chinesischen Konditionen ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft bestreiten. Gustav Horbel versteht das, er war in China.

Vorwort zu “Der menschliche Kosmos” – (3)

(Fortsetzung)
(zurück zu Abschnitt 2)
Wenn wir dem Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt entkommen wollen, dann müssen wir vor allem aufhören, zwischen „böser“ und „guter“, „gerechter“ und „ungerechter“ Gewalt zu unterscheiden. Wir müssen aufhören, nach vermeintlichen Ursachen zu fragen. Sie sind häufig nichts als nachträglich rechtfertigende Schleier vor dem, was eigentlich das Geschehen treibt: vor den ZIELEN der Handelnden – sie wollen erkundet werden.
Wir müssen imstande sein, die Perspektive zu wechseln.
In den nächsten zehn Jahren wird sich unser Weltbild revolutionieren. Die „Kopernikanische Wende“ wird sich dagegen bescheiden ausnehmen, denn es ist vor allem das Menschenbild, das völlig neue Farben und Konturen offenbaren wird. Einen beachtlichen Beitrag dazu lieferte der amerikanische Philosoph Alva Noë mit seinem Buch „Du bist nicht Dein Gehirn“ zu einer „radikalen Philosophie des Bewusstseins“
Das mechanische Weltbild, von dem sich die Physik seit Beginn des 20. Jahrhunderts entfernte, dem aber Wirtschaft und Politik, natürlich auch die ihnen hörigen Medien blind vertrauen, wird abgelöst werden. Es sieht das Universum als ununterbrochene zeitliche Abfolge von durch Ursache und Wirkung verknüpften Vorgängen und den Menschen als herausgehobenen Beobachter, der seine Sicht mittels immer besserer Beobachtungs-instrumente zu einem „objektiven“ Bild, zur „objektiven Wahrheit“ vervollkommnet. Dieses Weltbild entspricht sehr gut der Wechselwirkung zwischen unserer Umgebung, unseren Sinnen und unserem Gehirn. Es hat der Menschheit und ihrem Instrumentarium enorme Erfolge ermöglicht – es hat sie allerdings auch an den Rand der Selbstvernichtung geführt. Die Frage „Warum“ ermöglichte die Ausrottung von Krankheitserregern und „Schädlingen“ – diese Ausrottungsfeldzüge führten aber zum Heranwachsen von immer gefährlicheren Krankheitskeimen, und „Schädlingsbekämpfung“ vergiftete die Umwelt bis zur Unbewohnbarkeit. Der Zugriff auf die „Ursachen“ löste immer nur Teile eines Problems und erschuf neue. Die Frage „WARUM“ führt zu Antworten von sehr begrenztem Wert. Lernen wir endlich zu fragen „WOFÜR“.
(Fortsetzung: Abschnitt 4)

Vorwort zu „Der menschliche Kosmos“ (2)

(Fortsetzung)
(Zurück zu Abschnitt 1)
Die Frage nach dem Überleben der Menschheit ist die Frage nach einem Konfliktverhalten, das Gewalt so eng wie möglich begrenzt.
Wie soll das gehen?
Natürlich lässt sich eine Elementarstrategie wie die Gewalt es ist, nicht einfach abschaffen. Sie hat zum Überleben der Gattung beigetragen wie die Paarung zur Fortpflanzung. Fast jeder hat schon erlebt, welches Glücksgefühl entsteht, wenn ein „Befreiungsschlag“ gelingt, wenn Fesseln gesprengt werden, wenn das Übermächtige und Bedrohliche zu Boden stürzt und zerschmettert werden kann – wie Hitlers Führerbunker und der Stacheldraht um die Arbeitslager Stalins, wie die Berliner Mauer, wie der israelische Panzer oder der Taliban- Bunker, der in die Luft fliegt, wie der Kinderschänder, der einer rächenden Meute in die Hände fällt. Gewalt macht Lust, wenn sie „das Böse“ austilgt, und dieser Lust überlassen sich tagtäglich, zu jeder Stunde und Minute, in jedem Augenblick Millionen Menschen im Fernsehen, im Kino, im Theater, im Stadion oder im Panzer, mit der Steinschleuder in der Hand, im Düsenjäger, mit dem Messer oder der Maschinenpistole – oder im Bordell bei einer Minderjährigen. Oder auch mit dem Federhalter überm Papier, dem Mikrofon vor der Nase, der Kamera auf der Schulter, dem Text- und Bildverarbeitungsprogramm auf dem Monitor. GEWALT MACHT LUST.
„Das Böse“ sind immer die anderen.
„Gewalt Macht Lust“ – das ist ein Dreigestirn von fast ebenso metaphysischer Dimension wie „Glaube Liebe Hoffnung“. Aber mit der Moral und Metaphysik von Gut und Böse kommt man ihm ebenso wenig bei, wie mit dem Schraubenzieher des mechanischen Zeitalters, das den Menschen als vernunftbegabtes Tier und den Kosmos als Räderwerk von unablässig aufeinander folgenden Ursachen und Wirkungen ansieht.
Gewalt ist weder gut noch böse, dazu macht sie nur und ausschließlich unsere Wahrnehmung. Ebensowenig ist sie „gerecht“ oder „ungerecht“ – dazu macht sie ausschließlich die Wahrnehmung und Interpretation ihrer Opfer oder Nutznießer.
Eines aber ist Gewalt ganz sicher: sie ist immer an ein Ziel gebunden, sie ist eine Elementarstrategie zur Erlangung eines Ziels. Das Ziel kann sein, zu vermeiden, dass ein anderer sein Ziel erreicht.
(Fortsetzung – Abschnitt 3)

Gratiskultur – im Ernst und zum Vergnügen

Vor einigen Wochen hatte ich zum Thema „Gratiskultur“ gepostet. Der Entschluss, mein Buch „Der menschliche Kosmos“ ausschnittweise hier im Weblog zu veröffentlichen, ist konsequent, indessen keineswegs uneigennützig, denn dabei kann ich den Text aus dem Jahr 2006 abschnittsweise überarbeiten; dafür hat sich seither angesichts globaler Entwicklungen reichlich Stoff angesammelt. Wer mag, kann mit dem Originaltext vergleichen.

Titel zu "Der menschliche Kosmos"

Gefühle - Konflikte - Strategien

VORWORT

Das Schicksal des Menschen ist der Mensch. Das gilt für den Einzelnen, der kaum längere Zeit ungesellig leben kann, wenn er essen, trinken, sich warm halten und soziale Grundbedürfnisse befriedigen will. Das gilt für die Gattung in einer immer enger werdenden Welt mit knappen Ressourcen und begrenzten Räumen. Gefährdungen durch natürliche Katastrophen wird es zwar immer geben – Erdbeben, Überflutungen, Brände, Seuchen, gar kosmische Bedrohungen durch Einschläge von Asteroiden oder durch Strahlung werden sich nie gänzlich beherrschen lassen -, aber wir stehen heute mehr denn je vor der Frage, ob nicht die Bedrohung durch menschliches Handeln das eigentliche Problem ist.
Können wir immer bedrohlichere Konflikte zwischen konkurrierenden Gruppen – Nationen, Kulturen, Ethnien, Religionen, Konzernen, Banken, Regierungen, Parteien – oder was sonst für Konfliktkonstellationen sich ergeben – anders als durch Gewalt lösen? Neben den klassischen Szenarien der Kriege und Terrorattacken rückt immer mehr das Szenarium struktureller Gewalt in den Brennpunkt: Es gibt Organisationen, die rücksichtslos gegen Leib und Leben des Einzelnen, gegen das Gemeinwesens und gegen die Natur ihre Interessen durchsetzen. Dass Konflikte eskalieren, dass sie in vollkommene Zerstörung münden, nehmen solche Organisationen in Kauf. Sie stellen die ihnen zugehörigen Menschen von Verantwortung frei und machen sie zu willfährigen Handlangern.
Der Vorgang ist – an den religiösen oder anderen ideologischen Verklärungen von Gewalt seit je erkennbar – nicht neu. Aber angesichts globaler Auswirkungen, wie sie sowohl mit Kriegen seit dem 20. Jahrhundert als auch mit dem katastrophalen technischen GAU von Atomkraftwerken und Pharmaunfällen einhergehen, ist zu fragen, ob Konflikte zwischen Menschen so unbeherrschbar sind wie Naturereignisse.
Lässt sich das Verhalten von Milliarden Menschen nicht auf ein friedliches, ausbalanciertes Zusammenleben hin beeinflussen, auf kooperative Strategien der Individuen, der Gattung mit ihrer Kultur (Technik) und der sie umgebenden Natur ?
Ist Gewalt in Konflikten unvermeidlich?
Zweierlei zumindest ist sicher:
Konflikte werden in Zukunft ALLE betreffen. Die globale Wirtschaft wird es unvermeidlich geben und damit wechselseitige Abhängigkeiten aller von (fast) allen. Das betrifft die natürlichen Ressourcen ebenso wie den Informationsaustausch.
Konflikte sind unvermeidlich; sie erzeugen die Dynamik zwischen Gruppen von Menschen ebenso wie zwischen Individuen und dem gesamten Umfeld, mit dem wir alle interagieren: mit der Welt.
(Fortsetzung – Abschnitt 2)

Ratespiel

Blick vom Turm auf dem Merkurgipfel

Blick vom Turm


Das Bild vom 2. Dezember zeigt die Täler des Schwarzwalds im Nebel; der Schnee ist dort längst geschmolzen. Die Haselnussblüten und Weidenkätzchen zeigen sich in Vorfrühlingslaune. War’s das mit dem Winter?
In den vergangenen Jahren konnte ich mich auf diese natürlichen Langzeitprognosen verlassen: im Dezember 2009 war von den beiden vorwitzigen Blühern nichts zu sehen, Eis und Schnee dauerten wirklich bis zum April.
Weihnachtswunsch: mögen sie Recht behalten und den Schneeglöckchen zuwinken: „Ende Januar dürft ihr das Winterende einläuten!“

Ermutigung mit Zeitzünder

Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber wenn nach vier Jahren ein Buch so gelobt wird, wie „Der menschliche Kosmos“ jetzt vom wirklich sachkundigen Andreas Zeuch auf „psychophysik.com“, dann ist es ein deutliches Zeichen für die Frische der Texte und ein Grund zur Freude:
„Wer sich von – wie es auf dem Buchrücken selbst lautet – „Fundsachen“ inspirieren lassen kann, wird reich belohnt. Und wer dann noch bereit ist, die „praktischen Übungsstückchen“ zu erkunden, wird aus eigener Erfahrung Neues lernen können.“

You tube für die Eine Welt

Javanischer Bauer pflügt mit Ochsen

Bauer im Dürregebiet auf Java

Seit gestern online: das Film- und Bürgerportal ”Human Pictures”. Wer engagierte Filme, Videos , Fotos – sei’s auch nur vom Handy – hochladen möchte, die ein besseres Zusammenleben von Menschen und Völkern zum Ziel haben: Hier ist der richtige Platz. Zitat aus der Plattform:
”In welcher Welt möchten Sie leben? In einer, wo niemandem etwas passieren kann, weil es eine perfekte Kontrolle gibt, oder in einer, wo jeder seinem Mitmenschen vertrauen kann, weil fast alle sich an Werten wie Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein orientieren?
Gefiele Ihnen ein perfekt funktionierendes System besser – mit vollkommener Gerechtigkeit – oder ein Gemeinwesen, in dem jeder aus Fehlern lernen darf, sich aber auch nicht vor schwierigen Aufgaben drücken muss?”