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Die größte Ermutigung: Ein Leben

Reich-RanickiMarcel Reich-Ranicki hat uns etwas unendlich Kostbares hinterlassen. Es heißt „Mein Leben“. Es wiegt alle Milliarden aller Finanzmärkte dieser Welt auf – sie sind dagegen nur verbranntes Papiergeld. Der gleichnamige Film ist ein Juwel in den Müllhalden des deutschen Fernsehens. Er kann keinen Oskar bekommen – das wäre zu wenig. Ein einziger Dialogfetzen darin erklärt den Totalitarismus: „Warum tun sie das?“ „Weil sie es können.“

Heute war der Film aus dem Jahr 2009 – als Wiederholung und Nachruf anlässlich des Todes dieses Großen  in der ARD zu sehen. Ich würde gern jedem einzelnen Beteiligten sagen, wie dankbar ich für diesen Film bin: ein wunderbares, ermutigendes Zeugnis dafür, wie unentbehrlich Kultur in allen Konflikten der Zukunft sein wird – und wie sie dem Prinzip von Gewalt-Macht-Lust Grenzen setzt.

Ich habe die Autobiographie von Marcel Reich-Ranicki im Jahr 2000 auf dem Flug nach Bali gelesen – es war eine Wegscheide meines Lebens. Ich wurde 50, ich begann mit der Arbeit an “Babels Berg”. Bei all  meinen literarischen Bemühungen war dieser Kritiker eine der Stimmen, die hartnäckig nach der Qualität meiner Texte fragten und mich ermutigten.

Schade, dass ich mich mit ihm nicht anlegen durfte: Das wäre ein zu großes Geschenk gewesen. Aber wann immer, wo immer und mit wem immer ich über Literatur reden werde: Er wird dabei sein.

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Fernsehtode

Die ARD hat einen Heidenlärm um das Projekt ”Dreileben” veranstaltet. Witzigerweise ging’s in den schaurig missratenen Filmen des gestern ruhmlos vergangenen Fernsehabends um meine Geburtsstadt Suhl. Ich war erschüttert. Suhl lieferte mir (freilich nicht allein) den Stoff für DREI Romane, DREI LEBEN – oder viel mehr, wenn einer die Schicksale von Menschen ernst nimmt, was bedeutet, das Komische, Seltsame, ungewöhnliche darinnen zu entdecken. Aber das will (darf) Fernsehen nicht. Fernsehen entsteht, wenn formularausfüllungsmächtige und von der Senderbürokratie für förderungswürdig befundene Regisseure ihr persönliches Unvermögen zum Umgang mit Menschen im Allgemeinen und Schauspielern im Besonderen den Redakteuren öffentlich-rechtlicher Anstalten als Kunst verkaufen.
Nie mehr Fernsehen will einer nach so einem Abend. Wenn er demnächst in Thüringen auf drei und mehr oder weniger Leben trifft, wird er sie alle zum Verzicht auf Fernsehen ermutigen.