Ungeteilte Zeit


Komet Hale Bopp aus Wikipedia

Die kurzen Nächte will ich nur für mich.
Kein Staat und kein Konzern darf mit mir teilen.
Allein will ich mit den Kometen eilen
Verglühn im Sonnenwind als Ding an sich
Als kosmisches Geschöpf, befreit vom Zählen
Von Quoten und statistischem Gerät
Ein Schweifstern, frei die eigne Bahn zu wählen
Der Gleichmaß, Sicherheit und Halt verschmäht.
Den Halt gibt es für ihn zur Todesstunde
Wenn aus der kurzen Nacht die längste wird.
Die Sonne schlägt ihm seine tiefste Wunde
Da er in ihre Nähe sich verirrt.

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12 Antworten zu “Ungeteilte Zeit

  1. Gefällt mir.
    Das würd ich gern gelesen hören. 🙂

  2. Die Schreibthemenwelt des I. S. dehnt sich aus. Ich hänge immer noch an Ramona Raffzahn fest und sollte mich wohl allmählich lösen von ihr, um mich mitnehmen zu lassen ins Lyrische. Warum kann ich mich bloß des Eindrucks nicht erwehren, dass hinter dem Lyriker I. S. noch etwas anderes steckt, als man auf den ersten Blick glaubt?

  3. Von Ramona Raffzahn kann man(n) sich nicht lösen: da sie nicht real ist, hängt man lebenslänglich an ihr. Lassen Sie sich übrigens besser nicht ins Lyrische mitnehmen! Ihr Eindruck ist richtig: Hinter I.S. steckt mein größter Feind: er hat meine Altersversorgnug verjuxt und bringt mich in permanente Opposition zu allem, was den Funktionseliten wichtig ist. Neuerdings behauptet er: wenn einer schon die Welt den Funktionseliten überlassen müsse, so könne er doch wenigstens den Kosmos retten. Was für ein Quatsch!

  4. Was für ein Quatsch! Diese Bemerkung wird Ihnen der Lyriker I. S. nicht verzeihen. Ein interessantes Verhältnis übrigens, das von jenem, der sich dem Eigensinn verpflichtet fühlt, zu dem Dichter I.S. Und über den Beiden steht dann der Autor, der vom Turm blickt?

  5. Sie kennen uns eben nicht, lieber Hans Zengeler. Seien Sie froh! Immerzu auf Türme steigen, um sich gegenseitig zum Hinuterspringen aufzufordern, sofort danach weinerlich zum Bleiben zu bewegen: es sei ja noch nicht Matthäi am Letzten – das ist anstrengend, glauben Sie mir! Wenigstens verzeihen wir einander. Noch.

  6. Die Anstrengung nehme ich Ihnen sofort ab. Verzeihen können ist schön. Auch eine poetische Haltung. Gerade fange ich an, dem Blick vom Turm zu folgen und kann jetzt schon – ohne damit fertig zu sein – neidlos sagen: Gehört zum Besten in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, das ragt schon sehr deutlich heraus.

  7. Das ist ein sehr großes Lob und kommt von einem Verständigen, dessen Arbeit ich schätze – herzliches Dankeschön!

    Jetzt rühren Sie mir aber nur ja ordentlich in Ihrem Umkreis die Werbetrommel!!!!!!! „Babels Berg“ will demnächst auch verkauft werden, wo noch der Turm in den Regalen liegt wie … Blei? schlechtes Bild! Ich muss wieder arbeiten!!!! hopphopp!!

    Auf Wiederlesen! :-))

  8. Schwere Dinge mal so leicht dahinsagen, ‚Kosmisches‘ ungezwungen und angenehm zurückgenommen mit Mythologie, Zeitgeistigem und Persönlichem in einer schillernden und doch in allen Facetten stimmigen Metapher verbinden und das alles im beschwingten Sound des 5-hebigen Jambus: Das, würde ich sagen, gäb’s da nicht die Konnotation von Dose und Abstinenz, hat alles, was ein Gedicht braucht.

    Also sag‘ ich anders, lieber Immo: Du bist einer der nicht übermäßig zahlreichen deutschsprachigen Lyriker von heute, die etwas von ihrem Handwerk verstehen und mittels desselben auch etwas zu sagen haben.

    Viel Spaß auf deinen weiteren Flügen wünscht
    herzlichst Lothar

  9. Danke für Lorbeer 😉 und gute Wünsche. Aber verwirrt hat mich das mit der Dose. Und Abstinenz? Damit würde ich meiner Frau gefallen (hab mir ihretwegen das Rauchen schon fast abgewöhnt), aber ohne Rotwein und andere gute Sachen wäre meine seelische Verfassung unerträglich, das sieht sogar meine Frau ein. Dosenbier trinke ich nicht, schlimmer ist nur alkoholfrei.
    … jetzt fällt’s mir gerade übrigens wie Schuppen …. achsooooooo!
    Doppelt scheußlich! Bloß nicht konnotieren! Überhaupt keine Notiz davon nehmen!
    Herzliche Grüße zurück
    Immo

  10. *gg*

    Das Rauchen kann man sich nicht „fast“ abgewöhnen, das geht nur ganz oder gar nicht.

    Grade gelesen: Nikotinfreie Zigaretten rauchen ist wie Onanieren mit Kondom. 8)
    (Und damit wären wir wieder bei Ramona…)

  11. Wenn einer beim genüsslichen Konsum von Tabakspfeife & Zigarre seine Rate von 2 bis 3mal täglich auf 2 bis 3mal wöchentlich reduziert, nenne ich das „fast abgewöhnt“, wenn auch nicht entwöhnt. Meine eigentliche Sucht ist die Rechthaberei.

  12. Ach sooo! Bei Zigarren und Pfeife ist das natürlich anders, das ist wohl echtes Genussrauchen. 🙂

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