Copykill – ein Gossenroman


Fräulein Hegemann, 17-jährige Nymphoman-Selbstdarstellerin wird als Plagiatorin ”enttarnt”, was ihr nix ausmacht, weil’s alle machen. Klar: um Literatur geht’s nicht, nur ums Auffallen. ”Bürgerschreck” lässt sich am besten vermarkten, wenn Sex, Drugs und fäkale- bzw. genitale Gossensprache von pubertierenden Lolitas in Druck gegeben werden und – durch die Feuilletons gepeitscht – ordentlich Kohle bringen. Der plagiierte Blogger, von dem vorher niemand Notiz nahm, darf auf eine nette Geste des Ullstein-Verlags hoffen, der ihm nun von dem Kuchen der ertappten Abschreiberin ein Stückchen abschneidet.
Die Medien leben von diesen Stories – auch ”Spiegel”, ”Süddeutsche”, FAZ, taz, ”Zeit” … Das zum Ritual gehörige Wehgeschrei über die Sittenverderbnis der Jugend hat Gott sei Dank den Kanon der Weltliteratur ebensowenig beeinflusst wie alle Moden und Spektakel. Bedauerlich ist, dass den Werten dieses Kanons kaum Platz in der Erziehung zukommt. Das drückt sich dann in Gewalt- und Drogenexzessen der ”Unterschicht” ebenso aus, wie im Verhalten asozialer Geldmaschinenbetreiber. Vorwärts in die Feuchtgebiete, vorwärts in die nächste Schlammschlacht! Hauptsache, die Quote stimmt!

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